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E-Mail-Interview: Manufacture + Sustainability, THE EXPANDED DESIGNER
Florian Nitschke

Wie weit ist es möglich eine Agentur unter diesem Gesichtspunkt (Manufacture + Sustainability) zu leiten?
Welche Entscheidungen werden zugunsten der Nachhaltigkeit innerhalb der täglichen Abläufe getroffen?

Christhard Landgraf

Nachhaltigkeit bestimmt unsere tägliches Denken und Handeln, weil wir nicht vordergründig auf Gewinnmaximierung fokussieren, sondern stets ökologische und soziale Aspekte mit berücksichtigen. Natürlich beziehen wir unsere Auftraggeber und Lieferanten dabei mit ein. Allein kann man das nicht machen. Es gelingt auch nicht immer den Auftraggeber zu überzeugen, meist spielen finanzielle Gründe eine Rolle. Verzweifeln ist da aber nicht angesagt, sondern beim nächsten Mal wieder versuchen.
D.h. aber auch, dass wir nicht die Erfüllungsgehilfen unserer Auftraggeber sind, sondern mit ihnen zusammen Ideen gestalten und nicht nur Objekte designen. Dabei geht es nicht vorrangig um kreative Werbelösungen, sondern um die für die Aufgabe passende Kommunikation und das daraus resultierende Kommunikationsmittel mit der Sicht auf den Adressaten.
Dazu kommt ein energie- und materialsparender Bürobetrieb, Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad.
Alles in Allem nicht so spektakulär, sondern in kleinen Schritten, mit ökologischer Verantwortung und sozialer Wärme.

Florian Nitschke

Woher beziehen Sie Materialien für die zu gestalteten Produkte? Gibt es spezielle Qualitätssiegel für Papier? Drucken Sie mit nachhaltigen Farben?
Lässt sich der Gedanke auch in die Produktion der Druckereien übertragen?  

Christhard Landgraf

Bei der Realisierung unserer Kommunikationsmittel setzen wir auf Papier aus Recyclingmaterial (Blauer Engel) und nachhaltiger Fortswirtschaft (FSC, PEFC). Bei Website achten wir auf grünen Strom. CO2-Ausgleich bei Print und Web haben wir immer im Blick.
Bei nachhaltiger Farbe haben wir noch einige Defizite. Wir sind aber mit unseren Druckereien im Gespräch! Hier fehlt es noch etwas an Bereitschaft mitzuziehen.
Viele große Druckereien haben sich FSC-Zertifizieren lassen und bieten CO2-Ausgleich an. Weiterhin versuchen wir mit Druckereien zu arbeiten, die farbsparende Prozesse anbieten (Ink-Optimizer). Bei kleinen Handwerksbetrieben, die eine weit aus bessere CO2-Bilanz besitzen, gibt es solche Zertifizierungen nicht. Da ist der Aufwand zu hoch. Trotzdem werden bei Kleinauflagen Handwerksbetriebe aus der Berliner Region von uns beauftragt.

Florian Nitschke

Empfinden Sie das Nutzen von nachhaltigen Materialien und die Übertragung in das Gestalten selbst als eine Bereicherung für das Endprodukt?

Christhard Landgraf

Auf alle Fälle! Aber eigentlich anders herum. Durch den sparsamen Einsatz von nachhaltigen Materialien steht die Gestaltung wieder mehr im Fokus. D.h. weg von der Materialschlacht (immer stärkeren, immer weißeren Karton oder Papier, immer mehr leere Flächen, immer mehr Seiten) hin zu guter, passender Gestaltung unter Ausnutzung aller zur Verfügung stehender Mittel (dazu gehören auch energie- und materialsparende Veredlungsmethoden).
Dazu muss man auch sagen, dass die Imitation eines normalen Entwurfs mit nachhaltigen Mitteln völliger Quatsch ist.

Florian Nitschke

Haben Sie Empfehlungen für Bücher, Webseiten oder Personen, die sich mit dem Thema beschäftigen?